Metaphysik ist für diesseitige Zwecke nichtsnutziger Tand. Dieser Artikel enthält davon reichlich. Wer
sich hierher verirrt hat, um sich mit Tipps und Tricks für die Weltläufte zu versorgen, dem sei die
Backspace-Taste an's Herz gelegt.
Solipsismus:
Das Paradox der nachfolgenden Ausführungen zum Solipsismus sei vorweggenommen:
Wenn der Solipsismus existiert, existiert niemand, der den Artikel lesen könnte;
und wenn er nicht existiert, braucht niemand den Artikel zu lesen, weil er etwas nicht Existentes zum
Gegenstand hat.
"metaphysischer Solipsismus: Nur das eigene Ich existiert. Nichts außerhalb des eigenen Bewusstseins
existiert, auch kein anderes Bewusstsein."
Wer sich umfassender informieren möchte ist beim hier verehrten deutschen Philosophen (einer der Wenigen,
die diese Bezeichnung verdienen) Peter Möller – Stichwort
„Solipsismus“ gut aufgehoben.
Unklar ist dabei allenfalls, ob meine Gedanken in meinem Ich produktiv entstehen oder mir wie alles andere
zum gefälligen Kopfkinoerlebnis vorgeführt werden.
Wer hat‘s erfunden? Anscheinend hat René Descartes (1596 - 1650) in "Discours de la méthode" (1637) den
Stein ins Rollen gebracht:
„Über die Kritik der Sinneserkenntnis bezweifelt er den Wahrheitsgehalt seiner Wahrnehmung. Woher
können wir wissen, dass unsere Eindrücke mit der Welt, wie sie realiter ist, übereinstimmen. Könnte nicht
ein allmächtiger Gott betrügerische Absichten verfolgen (deus deceptor) und den Menschen bewusst täuschen.
Damit bringt Descartes einen Dämon ins Spiel, der falsche Vorstellungen von der Welt ins Bewusstsein setzt,
um den Menschen hinter das Licht zu führen und zu quälen. Dieser böse Dämon (genius malignus) manipuliert
Realität und illusioniert falsche Wirklichkeiten, wodurch sich die wahrgenommene Welt von der eigentlichen
Realität fundamental unterscheidet. Der Mensch ist ohne Möglichkeit der Gewissheit.“
(„Descartscher Dämon“)
„Nun, wenn er mich auch täuscht, so ist es also unzweifelhaft, daß ich bin. Er täusche mich, so viel
er kann, niemals wird er jedoch fertigbringen, daß ich nichts bin, so lange ich denke, daß ich etwas sei.
Und so komme ich, nachdem ich nun alles mehr als genug hin und her erwogen habe, schließlich zu der
Feststellung, daß dieser Satz: „Ich bin, ich existiere“ (lat. ego sum, ego existo), so oft ich ihn
ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.“
„Indem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir
leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch
Füße, überhaupt keinen Körper haben; aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken,
nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht
bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lat.: ego cogito, ergo sum) von allen die
erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.“
„Wir mögen unsre Aufmerksamkeit noch so sehr außer uns selbst richten, und unsre Einbildungskraft bis
zu den Himmeln oder die entferntesten Grenzen des Weltalls treiben, so werden wir doch nie einen einzigen
Schritt über uns selbst hinauskommen, und werden nie eine andre Art von Existenz wahrnehmen, als solche
Vorstellungen, welche in dem engsten Kreise unsrer Selbst erschienen sind.“
Und nicht zu vergessen Ludwig Wittgenstein –
„Tractatus logico-philosophicus“ (1918) – mit
linguistischem Blödsinn verschwurbelt:
„… inwieweit der Solipsismus eine Wahrheit ist.
Was der Solipsismus nämlich meint, ist ganz richtig, nur lässt es sich nicht sagen, sondern es zeigt
sich.
Dass die Welt meine Welt ist, das zeigt sich darin, dass die Grenzen der Sprache (der Sprache, die allein
ich verstehe) die Grenzen meiner Welt bedeuten.
5.621
Die Welt und das Leben sind Eins.
5.63
Ich bin meine Welt. (Der Mikrokosmos.)“
Peter Möller schreibt zu diesem Thema unter anderem:
„Es ist ein Trugschluss zu glauben, weil ich Sinneswahrnehmungen habe, müsse es auch etwas geben, das
auf meine Sinne einwirkt. Ich könnte ja auch ganz allein der Schöpfer dieser Wahrnehmungen sein (wie im
Traum). Außerdem, unbezweifelbar sind lediglich meine Wahrnehmungen als ein Erlebnis. Meine Sinne können
auch das Produkt meines Erlebens sein und keine von diesem Erleben unabhängige Existenz haben.
…
Soviel ich auch nachdenke, soviel ich auch versuche mit dem Gefühl zu verstehen oder mich um neue
Wahrnehmungen bzw. Informationen bemühe, ich kann doch immer nur neue Erlebnisse hervorbringen, nichts
anderes. Es scheint, dass ich in der Welt meiner subjektiven Erlebnisse gefangen bin und kein Weg
hinausführt. Es scheint so zu sein, dass jegliche objektive Wahrheit für mich unerreichbar ist.“
Das ist auch schon der Übergang zur prinzipiell von vornherein zum Scheitern verurteilten
Widerlegung des Solipsismus:
Mit den Zitaten von David Hume und Peter Möller ist eigentlich schon alles gesagt. Das Bewusstsein bzw. Denken
wird nie in der Lage sein, aus sich herauszutreten und eine etwaige Außenwelt zu verifizieren.
Es bedarf auch keiner komplizierten Überlegung, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, dass der
Solipsismus nicht per Verweis auf die sich in der Praxis ständig mit Notwendigkeiten geltend machende
„Existenz“ der Welt, insbesondere auf das Verhalten des Menschen in seiner Umwelt, in Frage zu stellen
ist. Stellvertretend für derartige Fehlschlüsse sei zitiert eine
Andrea Birk – „Vom
Verschwinden des Subjekts“, Seite 5:
„Gewiss, vieles scheint gegen den Solipsismus zu sprechen, denn die Ansicht, dass nur allein Ich
existiere, nach landläufigem Verständnis Kernthese dieser philosophischen Position, wird im Allgemeinen
als absurd, ja schlichtweg als lächerlich angesehen. Dies verbürgt die Praxis des täglichen Miteinander,
in der sich der Gedanke des einsamen Ich, des solus ipse als konfus und widersprüchlich erweist. So mag es
zwar sein, dass jemand, der ernstlich darauf besteht, nur er allein existiere, nicht stringent widerlegt
werden kann, da er bereits das Dasein seines argumentierenden Gegenübers bezweifelt, vertreten und
durchgehalten werden kann diese Position in der Alltagswirklichkeit jedoch ebenso wenig.“
Wie sollte sich denn der Solipsismus an der „Praxis des täglichen Miteinander“ bzw. „Alltagswirklichkeit“
blamieren, wenn diese doch vom Dämon vorgegeben werden und das Ich gar nicht gefragt wurde, wie es sich denn
in einer angeblich wirklichen Welt verhalten möchte? Glaubt Andrea Birk allen Ernstes, sie könne die
philosophische Alternative des allein existierenden Ichs, jedoch nicht agierenden, da nicht existierenden
Menschen mit dem Verweis auf dessen angebliches Handeln in der Welt in Misskredit bringen? Mit dieser Art
von Logik ist es nicht sehr weit her. Nein, sie ist schlicht parteilich, wie schon die Formulierung „wird
im Allgemeinen als absurd, ja schlichtweg als lächerlich angesehen“ nahelegt, und als Wissenschaftlerin
nicht ernst zu nehmen.
„Allerdings muss sich ein Solipsist fragen lassen, ob er seinen Standpunkt als mitteilbaren überhaupt
vertreten kann, ohne in einen Selbstwiderspruch zu geraten.“
Schreiben die alle voneinander ab?
Ludwig Wittgenstein war da schon deutlich intelligenter:
„Wenn nun der Solipsist sagt, daß nur seine eigenen Erfahrungen wirklich sind, dann ist es nutzlos,
ihm zu antworten: „Warum sagst du uns das, wenn du nicht glaubst, daß wir es wirklich hören können?“ Oder
zumindest dürfen wir nicht glauben, daß wir auf seine Schwierigkeiten geantwortet haben, wenn wir ihm
diese Antwort geben.“ („Das Blaue Buch“, S. 95 – zitiert nach
Andrea Birk – „Vom
Verschwinden des Subjekts“, Seite 146)
„Der Mann, den wir als Solipsisten bezeichnen und der sagt, daß nur seine Erfahrungen wirklich sind,
streitet damit nicht über irgendeine praktische Tatsachenfrage mit uns, er sagt nicht, daß wir simulieren,
wenn wir über Schmerzen klagen, er bemitleidet uns ebenso wie jeder andere, und gleichzeitig will er den
Gebrauch des Titels »wirklich« auf das einschränken, was wir seine Erfahrung nennen würden; und vielleicht
will er unsere Erfahrungen überhaupt nicht »Erfahrungen« nennen (wiederum, ohne mit uns über irgendeine
Tatsachenfrage zu streiten).“ (a.a.O., S. 95f. – zitiert nach
Andrea Birk – „Vom
Verschwinden des Subjekts“, Seite 148)
Nur am Rande sei noch erwähnt, dass die abseitige Einlassung Andrea Birks, der Solipsismus sei nicht
„stringent“ zu widerlegen, da sein Vertreter „bereits das Dasein seines argumentierenden Gegenübers
bezweifelt“, eine Kapitulation schon vor Aufnahme der Argumentation darstellt. Warum sollte ein Argument eines
den Zuhörer Verleugnenden anders zu würdigen sein, als das eines sich der Realität verpflichtet Fühlenden?
Birks Einlassung lässt im Übrigen Rückschlüsse auf ihre verquere Denkweise zu: Ihr erscheint das Argument
einer sie respektierenden Person eo ipso auch respektabler als das einer sie grundsätzlich in Frage
stellenden. Weibliche Logik?
Nein, der zwingende Grund für das Scheitern des Anti-Solipsismus wurde oben benannt und gegen den ist
logisch nichts zu erinnern.
Wenigstens kriegt Andrea Birk später auf Seite 25 ihres Opus noch die Kurve, wenn sie Rudolf Carnap
zitiert:
„Es ist keine Situation denkbar, in der die Position des Realisten oder die des Idealisten empirisch
verifiziert (d. h. begründet) oder falsifiziert (d. h. widerlegt) werden könnte; deshalb ist weder die
Aussage des einen noch die des anderen sachhaltig. „Die Wissenschaft“, so folgert Carnap, „kann in der
Realitätsfrage weder bejahend noch verneinend Stellung nehmen“.
Braucht man jetzt zum Denken eigentlich schon eine „Situation“?
Literaturhinweis – Linguistische Blödeleien über den Solipsismus:
Zu schlechter Letzt sei im Rahmen von Schwachheiten über den Solipsismus noch erwähnt ein Artikel eines
deutschen Vielosophen namens Olaf L. Müller mit dem Titel
„Wirklichkeit
ohne Illusionen oder Der Abschied vom Skeptizismus“, in dem er unter Zuhilfenahme
linguistisch-philosophischer Einfälle des Amerikaners Hilary Putnam im Grunde den Solipsismus (ohne diesen
namentlich zu erwähnen) zu widerlegen vorgibt, wobei er sich eines Modells eines mit einem Simulationscomputer
verbundenen Gehirns in einem Tank bedient. Dieser Artikel besteht aus – nicht justiziabel ausgedrückt –
Absurditäten en masse, sodass er eigentlich weniger als Ärgernis, denn als irrlichternde Realsatire auf die
Verkommenheit des Wissenschaftsbetriebes zu dienen vermag. Eine ausführliche Kritik dieses Elaborats findet
sich an gleicher Stelle, auf gleicher Welle unter dem Titel
„Putnam/Müller
– Linguistische Blödeleien über den Solipsismus“. Es wäre zu viel der Ehre für Putnam und Konsorte, mit
einer derartig umfangreichen Kritik diesen Artikel zu versauen.
Es gibt wohl nur einen Pseudo-Einwand gegen den Solipsismus, den der mangelnden Plausibilität: Warum
sollte ein Dämon dieses ganze Theater inszenieren? Nur um das Ich bei Laune zu halten? Und woher kommt
dann eigentlich der Dämon? Ist der in einer realen Welt zu verorten oder auch nur eine Inszenierung? Dass
darauf keine schlüssigen Antworten zu finden sind, widerlegt den Solipsismus noch lange nicht.
Fragen über Fragen:
Man vergleiche diese gerade zum Solipsismus gestellten Fragen mit denjenigen, die die auf scheinbar festem
Boden stehenden Anhänger der realen Welt beunruhigen könnten:
Woher kommt die angeblich real existierende Welt?
Wurde sie von einem Gott als Schöpfer geschaffen? Mit dem das Problem per eleganter
Entsorgung auf eine Metaebene eine Scheinlösung erfahren würde. Weitere Metaebene gefällig? Der alte
Kalauer „Gott, der Schöpfer – und wer schöpfte Gott?“ ist unverwüstlich. Wenn Gott sich nicht bemüßigt
fühlt, seine Existenz zu beweisen, tut es die Welt erst recht nicht. Denn das Universum war jedenfalls in
den Anfängen seiner Evolution ein wesentlich simpleres Gebilde als es Gott jemals sein konnte, wenn man
in Rechnung stellt, was dem laut biblischer Schöpfungsgeschichte alles innerhalb einer Woche auf die Beine
gestellt haben soll. Wer‘s glaubt, wird selig. Zeugen gibt es dafür jedenfalls keine, nicht einmal
diejenigen „Jehovas“.
Wenn dieser kolportierte Gott denn existieren sollte, wo tut er das? In der wirklichen
Welt oder im immateriellen Jenseits? Im ersteren Fall würde er zwingend den Naturgesetzen unterliegen (die
er selbst geschaffen hätte …), womit er gar nicht mehr so sakrosankt wäre und über den Niederungen der
Welt stünde. Im zweiten Fall stellt sich für den aufmüpfigen Erdenwurm die Frage nach der Kausalität
zwischen immaterieller Existenz und materieller Weltenschöpfung.
War die Welt also praktischerweise schon immer da, mit wie vielen Universen?
„Immer“ bedeutet übrigens was? Oder entstand sie aus dem Nichts? Was aber beides nach dem dem Menschen
so an's Herz gewachsenen Kausalitätsgesetz ein Ding der Unmöglichkeit sein sollte. Wenn schon Realist,
dann aber mit allen hinterlistigen Konsequenzen!
Wie kommt es, dass ich als diese Person geboren wurde und nicht als eine andere
oder gar als Tier, wovon es bekanntlich viel mehr gibt? Hat das jemand entschieden? Falls man dieses
Phänomen wiederum einem Gott in die Schuhe schieben sollte, wäre der dann prinzipiell etwas anderes
als der solipsistische Dämon, ergänzt mit einem Wirklichkeitsinstrumentarium?
Wäre ich existent, wenn der erfolgreiche Samenfaden meines Vaters nicht zum Zug
gekommen wäre, sondern ein anderer? Natürlich wäre da jemand geboren worden, aber wäre ich mit meinem
Ich dann in diesem anderen Körper überhaupt am Leben? Bei eineiigen Zwillingen kann es sogar zwei
verschiedene Ichs mit gleichem Erbgut geben anstatt eines ominösen Doppel-Ichs. Woraus der Schluss zu
ziehen wäre, dass nicht automatisch dasselbe Erbgut dasselbe Ich erzeugt. War meine Existenz also
wirklich von diesem einen Samenfaden abhängig?
Unplausibilitäten gäbe es also auch in einer realen Welt jede Menge, kaum jemand nimmt das aber zum
Anlass, die Realität der Welt in Frage zu stellen.
Zufall der Geburt:
Dass mit dem seit Geburt ohne ersichtlichen Grund in einem Körper hausenden Ich nicht alles mit rechten Dingen
zugeht, wurde bereits angedeutet. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass praktisch niemand dieses Mysterium
anspricht, vor allem solche, die mit der für sie (von wem?) getroffenen Auswahl wegen sozialen Status,
Geldmangels, Behinderung, suboptimalen Aussehens etc. nur bedingt einverstanden sind. Ganze Völkerheerscharen
zum Beispiel in Afrika hätten Grund genug, sich einschlägig über die über ihren Kopf hinweg getroffene
kontinentale Zuweisung zu beschweren. Hat dieses Tabu psychologische Gründe (vermeintliche Kritik an den
Eltern?) oder gilt derlei Missmut schon als Häresie gegen den realistischen Blick auf die Welt?
Dabei bezieht sich der Zufall der Geburt ja keineswegs nur auf die Auswahl innerhalb der Menschheit. Auf der
Webseite von Werner Brefeld wird
die Anzahl aller Tiere auf der Erde mit 10^18, also eine 1 mit 18 Nullen, kolportiert, wobei das
zugegebenermaßen ganz überwiegend Insekten sind. Aber was spricht dagegen, als Insekt geboren zu werden? Nun
gibt es grob 10 Milliarden Menschen, also 10^10. Die Wahrscheinlichkeit, als Mensch das Licht der Welt zu
erblicken anstatt als anderes Lebewesen wäre demnach 1 : [10^(18-10)] = 1 : 10^8 = 1 : 100.000.000, also 1 :
100 Millionen. Soll man also einfach schlucken, dass das Ich persönlich die Ehre hatte, bei der Geburt als
einziger Mensch unter 100 Millionen Lebewesen erwählt worden zu sein. So ein Glück aber auch! Gar nicht zu
sprechen von all den Aliens, die das Universum oder das Multiversum bevölkern.
Fast ist man da ja schon versucht zu glauben, dass es mit dem Zufall bei der Geburt doch nicht so weit her
sein kann. Und wenn man dann noch den Solipsismus im Hinterkopf hat, könnte man schon der
Verschwörungstheorie verfallen, dass die eigene Geburt nach dem Willen eines Dämons eine Schnitzeljagd
einleiten sollte, an deren Ende die Aufdeckung, wenn schon nicht unbedingt des Solipsismus selbst, so doch
wenigstens aller Merkwürdigkeiten der von uns wahrgenommenen Scheinrealität stehen soll. Interessant ist
aber schon, dass ausgerechnet dieser aus 10 Milliarden vernunftbegabten Wesen ausgewählte Mensch auf den
weithin unbekannten Solipsismus kommt … Ist das Ich so etwas wie eine ferngesteuerte Laborratte, vornehm
ausgedrückt ein animal metaphysicum? Und wer ist in diesem Zusammenhang Dr. Frankenstein?
Kann es Zufall sein, dass ich im Körper der einzigen Art stecke, die in der Lage ist, sich Gedanken über
den Solipsismus zu machen oder wird mir im Solipsismus vorgegaukelt, ein vernunftbegabtes Lebewesen zu
sein, um mich auf schlüssige Weise mit dem Solipsismus zu konfrontieren? Müsste nicht der Dämon in
homerisches Gelächter ausbrechen angesichts der Absurdität, dass dieser reinen Subjektivität nach der
Logik ihrer virtuellen Welt eingetrichtert wird, im Körper einer Art zu hausen, die sich vermittelst ihres
hochentwickelten Geistes über alle anderen Arten zu erheben vermag und sich darauf etwas einbildet, obwohl
sie doch nur eine immaterielle Marionette ist?
Weltseele:
Nachdem nun nichts geklärt ist, kann noch einer draufgesetzt werden.
Dieser suspekte Zufall der Geburt, die Auswahl eines einzigen Lebewesens für die Implantation des Ichs,
wäre zu relativieren oder gar auszuschließen mit der Annahme, dass es gar kein individuelles Ich gibt,
sondern ein Welt-Ich, eine Weltseele, die alle Ichs dieser Welt umfasst, ohne dass diese voneinander
wissen, da jeweils in dem für sie reservierten Körper von der übrigen Weltseele abgeriegelt? Dann hätte „ich“
alles erlebt bzw. würde „ich“ alles erleben, was auch andere Lebewesen in Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft erlebten, erleben und erleben werden, natürlich nicht in meinem Körper, sondern in deren. Alles
was ich anderen Menschen oder Tieren antue, würde ich dann mir selbst antun. Wäre auch eine
Argumentationsbasis für Tierschützer und Friedensbewegte, vermutlich hätten die aber Angst vor einer
Einlieferung in die Psychiatrie, ihr Ruf ist ja nicht der beste.
„Vielleicht ist es nun so, dass zwar alle Menschen in der Welt meines Wachbewusstseins selbständige, sich
wissende Subjekte sind, also ein Bewusstsein von sich und der Welt haben, aber diese individuelle
Bewusstseins-Aufspaltungen eines alles umfassenden Weltbewusstseins sind. Die Trennung der einzelnen
individuellen Bewusstseine wäre nur eine partielle, vorübergehende, oder eine Täuschung, oder aber auch
eine Wirklichkeit, der eine andere, widersprechende Wirklichkeit gegenübersteht. Ob es nur ein Bewusstsein
gibt oder mehrere, wäre nur eine Frage der Betrachtungsweise. Der Weltgeist wäre eine Art »Multipler
Persönlichkeit«, jeder Mensch wäre eine Person in ihm …“.
„Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen, und im Nu bin ich ein Nichts. Die Seelen sind
so sterblich wie die Leiber. Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder, in den ich verschlungen
bin, – der wird mich wieder schaffen! Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft.
Ich komme wieder, mit dieser Sonne, mit dieser Erde, mit diesem Adler, mit dieser Schlange – nicht
zu einem neuen Leben oder besseren Leben oder ähnlichen Leben: – ich komme ewig wieder zu diesem
gleichen und selbigen Leben, im Grössten und auch im Kleinsten, dass ich wieder aller Dinge ewige
Wiederkunft lehre …“
Zur Ehrenrettung dieser Webseite sei versichert, dass die hiesige Theorie von der Weltseele nicht von
Möller bzw. Nietzsche plagiiert wurde, vielmehr als mögliche Schlussfolgerung aus dem Zufall der
Geburt gezogen wurde. Zwei Wege, ein (mögliches) Resultat.
Sollte die Welt von der Realität sein, die uns mit unseren Sinnen eingebläut wird, wüsste der
Verfasser mit Möller bzw. Nietzsche um – wenn schon nicht Vordenker, so doch – Paralleldenker, die
ihm das Gefühl der metaphysischen Einsamkeit ein wenig abnehmen.
Ende Gelände ♦ Aus die Maus ♦ Schicht im Schacht ♦ Klappe zu - Affe tot
So long ♦ See You Later, Alligator - In A While, Crocodile ♦ Over And Out